10.05.2022

Lasse Nolte in einem einzigartigen Schreibstil über unsere Pinot Noirs

Lasse Nolte, ebenfalls ein meinungsbildender Weinliebhaber, hat unsere komplette Pinot Noir Range über mehrere Tage probiert. Seine Gedanken dazu hat er über Social Media in diesem außergewöhnlichen und zugleich poetischen Text zusammengefasst.

Dieser Ansatz, der Textstil und die Poesie darin hat uns sprachlos gemacht. Wir haben den Text mit Begeisterung gelesen und er passt so wunderbar zu unseren Pinot Noirs. Wir sind sehr dankbar, das lesen zu dürfen - grandiose Beschreibung, ganz großes Kino!

"Wir müssen über Oliver Zeter sprechen. (Wenn ich das sage, inkludiere ich implizit natürlich das gesamte Team, also im Besonderen auch Robin Spitz und Felix Forster. Aber jedes Team braucht eine Leitung, und das ist eben Oliver.)

Was bedeutet es, wenn ein Wein lebt? Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas weiter ausholen. Fangen wir mit Oliver Zeter an.

Gerade erst von wein.plus mit seinem notorisch pedantischen Verkostungsteam mit der Auszeichnung „Kollektion des Jahres 2022“ geehrt, sozialmedial von Menschen, die jetzt Bärbel genannt und rund geleckt werden müssen, überfälligerweise entdeckt, bekommt der zurückhaltende Feingeist inzwischen die Anerkennung, die er schon lange verdient.

Wenn man Olivers Weine über die pure Sensorik hinaus verstehen will - und das ist darum schwierig, weil die pure Sensorik so bezaubernd, so schwärmerisch und gleichzeitig präzise ist, dass man nach der Achterbahnfahrt einer Nase seiner Pinots oft vergisst, wofür man eigentlich angetreten ist -, wenn man also in die Seele der Weine blicken will, dann muss man Olivers Seele darin suchen. Denn seine Weine sind genau wie er: leise, ernst, nachdenklich, tiefgründig und raffiniert - aber trotzdem immer lebensbejahend, ja manchmal sogar lebensprall, auf eine brummbärig-bezaubernde Art und Weise, wie der ikonische Bär, der die Etiketten ziert.

Ich habe Olivers Pinot-Linie ein Wochenende lang über Tage probieren dürfen. Ich habe ihnen Schinken und Speck gegenübergestellt (mit Liebe beim Dallmayr ausgesucht nach Reifegrad und Fettanteil), ich habe sie mit Ribeye vom Grill traktiert und mit Onglet aus dem Reifeschrank. Zuletzt durften die Lagenweine gegen ein Saftgulasch antreten, dessen urwüchsige Kraft dem unglaublichen Herrmannsdorfer Rindfleisch entstammte. Fett tut den Weinen gut, es formt sie angenehm - aber das Pinots Essensweine sind, weiß sowieso jeder.

Was passiert also über diese Tage hinweg im Glas? Zunächst springt ins Auge, dass die Preisstaffelung für jeden Wein sich von selbst erklärt - und das, liebe Freunde, ist viel zu selten der Fall. Alles kommt hier aus dem Wein, führt aus ihm heraus und zu ihm zurück, und macht spürt die ruhige, die ernste Sorgfalt der Kellerarbeit. Eine reine Aromenliste wird keinem der Weine gerecht.

Der normale Pinot ist trinkfreudig und saftig, ein Durstlöscher, ein rotfruchtiger Vagant, ein Harlekin, der auch Schiller zitieren kann. Unglaublich gut ist der „Mineral“, fokussierter, würdiger, die Spannung der der vier verschiedenen Bodenanteile perfekt ausbalancierend. Ernsthaft, aber verschmitzt: ein Wein, um Doktorarbeiten auf Plagiate zu überprüfen. Der „Reserve“ ist wie immer beeindruckend, ganz Struktur, dabei bissfest und warm. Ein Wein zum Träumen, ein Wein wie eine Umarmung. Den trinkt man, wenn man die letzten Seiten eines außergewöhnlichen Romanes liest - oder die ersten.

Die Lagenweine spielen in einer eigenen Liga. Dass ich den Kaiserberg verehre, wissen die meisten ja, weil er einen direkt an der Seele packt und von unsagbaren Mysterien aus uralten Zeiten flüstert. Gleichzeitig hingetupft und voller Kraft, zurückgenommen in der Frucht, präsent in Struktur und Balance. Groß, ruhig, echt: Ein Wein, um in Herbstnächten Arthur Machen neu zu entdecken.

Der Heiligenberg ist jetzt noch verschlossen, viel zu jung, aber unter der Schale macht sich ein Gigant zum Sprung bereit. Er wird mal riesig groß. Ein Glas vom Heiligenberg wirkt wie ein gurgelbarer Gang zum Beichtstuhl: zitternd im Schatten seiner titanischen Größe schämt man sich seiner eigenen Kleinheit und grübelt über seine Sünden nach. Diese Flaschen sollte man jetzt für fünf Jahre weglegen und dann großzügig karaffieren, dann hat man einen Gottesbeweis.

Zeigt mir die Großen Gewächse, die so sind, jenseits der drei, vier üblichen Best-Of-Titanen. Zeigt mir die Village-Franzosen, die so sind und nicht fünfmal so viel kosten. Oder zeigt sie mir nicht, denn ich brauche sie nicht.

Das sind Weine, die leben und zum Leben beitragen wollen. Die präsent sind. Buber stellt in „Ich und Du“ die verunsicherte Frage des tatsächlich Wahrgenommenen: „Kann das sein, dass du mich meinst? ...Gehe ich dich an? Bin ich dir da? Bin ich da? Was ist das da vor mir her? Was ist das da um mich her? Was ist das an mir? Was ist das?!“

Diese Fragen stellt sich der Weintrinker in der Hochmesse, die Oliver Pinots sind, unwillkürlich auch. Weintrinken ist ein Gottesdienst. Oliver Zeter ist ein Kurienkardinal. Mindestens."